Die Bonitaet bestimmt den Kreditzins mitDie Bonität eines potenziellen Kreditnehmers wird zum Dreh- und Angelpunkt, wenn es um die Darlehensvergabe geht. Banken gehen grundsätzlich von der Annahme aus, dass ein Darlehen notleidend, sprich nicht zurückgezahlt wird. Wie hoch dieses Risiko ausfällt, ergibt die Bonitätsprüfung, die entscheidende Daten für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers liefert. Die Bonitätsprüfung umfasst mehrere Faktoren. Der erste Blick der Bank gilt der Schufa-Auskunft des Antragstellers. Fällt diese zufriedenstellend aus, folgen die nächsten Schritte.

Sozioökonomische Faktoren und wirtschaftliche Verhältnisse als Kriterien für die Kreditwürdigkeit

Der Kreditvergabeprozess gilt heute als weitestgehend industrialisiert. Das heißt, dass Computeranalysen die Bonitätsbeurteilung anhand von Algorithmen bezüglich der sozioökonomischen Faktoren vornehmen. Dazu zählen in erster  Linie der Familienstand des Antragstellers und die Anzahl der Kinder. Als weiterer Aspekt gilt die Adresse. Hier wird zugeordnet, wie viele Darlehen aus der Region in der Rückzahlung kritisch wurden. Die Betrachtung des Arbeitsverhältnisses berücksichtigt das Risiko des Verlustes des Arbeitsplatzes. Dabei wird sowohl der Arbeitgeber selbst als auch die Branche berücksichtigt. Dieser Sachverhalt erklärt auch, weshalb Beamte bei Zinsen deutlich günstigere Konditionen erhalten – sie sind unkündbar. Die Ergebnisse der sozioökonomischen Analyse werden in Form eines Scorings wiedergegeben. Die besten Scoringwerte erzielt ein alleine stehender Beamter ohne Kinder. Es besteht weder das Risiko des Arbeitsplatzverlustes noch die Gefahr einer Scheidung mit Unterhaltszahlungen in der Folge. Ein Verheirateter Arbeitnehmer mit zwei Kindern schneidet schon schlechter ab, geschieden und unterhaltspflichtige Kinder setzt das Scoring massiv nach unten. Ein Wohnort mit positiver Konnotation kann hier nur noch wenig nach oben korrigieren.

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Die wirtschaftlichen Verhältnisse

Das Scoring der Schufa gibt die Kreditwürdigkeit wiederNeben der Schufa-Auskunft und den sozioökonomischen Daten spielen natürlich auch die wirtschaftlichen Verhältnisse bei der Prüfung der Bonität eine Rolle. Dazu zählt das Einkommen auf der einen Seite als auch bestehende Verbindlichkeiten oder Vermögenswerte auf der anderen Seite. Bei bestehenden Verbindlichkeiten erfolgt eine Prüfung des frei verfügbaren Nettoeinkommens in Hinblick auf die Bedienbarkeit weiterer Ratenzahlungen. Vorhandene Vermögenswerte erhöhen die Bonität, da sie im Zweifelsfall als Sicherheiten verwendet werden können. Alle drei Faktoren, Schufa-Auskunft, sozioökonomisches Rating und die wirtschaftlichen Verhältnisse führen zu einem Gesamtscoring, welches die Bonität des Antragstellers in der Summe widerspiegelt. Darauf aufbauend wird, computerbasiert, der mögliche Zinssatz ermittelt. Im Rahmen einer Baufinanzierung greift noch ein vierter Punkt, der Beleihungsauslauf. Je niedriger der Kreditbedarf in Relation zum Kaufpreis des Objektes ausfällt, um so niedriger wird auch der Zinssatz kalkuliert. Dabei unterscheiden die Banken in der Regel zwischen vier Grenzen:

  • Bis 40 Prozent des Beleihungswertes
  • Bis 60 Prozent des Beleihungswertes
  • Bis 80 Prozent des Beleihungswertes
  • Mehr als 80 Prozent des Beleihungswertes

Der Beleihungswert entspricht in den seltensten Fällen dem Kaufpreis, sollte dem aber schon nahekommen, andernfalls wäre die Immobilie überteuert gekauft. Die Zeiten, in denen die Bonität eines Antragstellers vom Bankmitarbeiter im Rahmen eines Kreditgespräches geprüft wurde und auch subjektive Wahrnehmungen des Bankers in die Kreditentscheidung einflossen, gehören der Vergangenheit an. Der Begriff „Kredit“, abgeleitet vom lateinischen credere, glauben, wird immer bleiben. Das „Glauben“ jedoch wurde durch EDV-basierte Algorithmen abgelöst.

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Die Schufa

Die Schufa ist das Schreckgespenst vieler Kreditnehmer. Jeder weiß, dass es sie gibt, aber keiner weiß, was die Schufa über ihn weiß. Die größte Datensammelstelle Deutschlands verfügte im Jahr 2013 über 682 Millionen Einzeldaten von 66,3 Millionen natürlichen Personen. Diese werden noch um 4,2 Millionen Unternehmensdaten ergänzt (Schufa Jahresbericht 20113). Für Verbraucher, die Befürchtungen vor dem gläsernen Bürger haben, stellen diese Zahlen ein Horrorszenario dar. Und die Kritik an Auskunfteien wird durchaus auch von dem Datenschutzbeauftragten der Bundesregierung geteilt.

Welche Daten werden gesammelt?

Welche Daten sammelt die SchufaDie Datensammlung der Schufa basiert auf den übermittelten Informationen des Einzelhandels und der Banken. Eröffnet ein Verbraucher ein Girokonto, erfolgt eine Schufa-Meldung. Unterschreibt er einen Handyvertrag, erfolgt eine Schufa-Meldung. Wurde eine Lastschrift zurückgegeben, erfolgt eine Schufa-Meldung. Gleichermaßen fließen aber auch pünktlich zurückgezahlte Darlehen durchaus positiv in das Schufa-Scoring mit ein. Aus allen Daten, die der Schufa über einen Verbraucher vorliegen, wird der Schufa-Basisscore ermittelt, der sich in einer Bandbreite zwischen theoretisch null und theoretisch 100 bewegt. Kernaussage des Basisscores ist die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Kredit zurückgeführt werden wird. Der höchste Wert, 100, kann nicht erreicht werden, da in den Basisscore nicht nur persönliche, sondern auch sozioökonomische Daten, auf die der einzelne keinen Einfluss hat, dazugezählt werden.  Wie sich das Schufa-Scoring genau ermittelt, ist nicht bekannt. Das Unternehmen mit Sitz in Wiesbaden lässt sich hier nicht in die Karten schauen, der Gesetzgeber zögert noch, die Berechnungsgrundlage per Dekret offenlegen zu lassen.

Wer erhält welche Informationen?

Zunächst einmal hat jeder Bürger das Recht, einmal jährlich die bei der Schufa über ihn gespeicherten Daten kostenlos abzufragen (§ 34 Absatz 1 und 2 BDSG). Erfreulicherweise sind die Zeiten vorbei, in denen bereits die Anforderung der eigenen Daten eine Verschlechterung des Scorings bedeutete. Nach wie vor steht der Vorwurf im Raum, und wird auch durch Stichproben immer wieder belegt, dass die Aktualität der gespeicherten Daten zu wünschen übrig lässt. Die Folge sind Falschauskünfte, welche sich nachteilig auswirken. Kreditnehmern werden zu hohe Zinsen berechnet, Vermieter verweigern den Mietvertrag. Es gilt daher der dringende Appell für alle Verbraucher, von ihrem Auskunftsrecht Gebrauch zu machen und gegebenenfalls auf eine Korrektur der falschen Angaben hinzuwirken, wie auch das Bundesministerium für Justiz zum Scoring empfiehlt.. Neben dem Basisscore bestehen noch weitere branchenspezifische Scorings. Bei Abschluss eines Handyvertrages erhält der Anbieter nur die Daten des Verbrauchers, die im Zusammenhang mit Handyverträgen relevant sind. Soll ein Möbelkauf über das Möbelhaus finanziert werden, bekommt der Möbelhändler nur die Daten, die für den Möbelkauf relevant sind, beispielsweise frühere Möbelkäufe auf Ratenbasis. Der Basisscore wird branchenspezifisch noch um drei weitere Eckdaten ergänzt. Dabei handelt es sich um

  • Den Scorewert, einer Zahl zwischen 0 und 1.000
  • Der Rankingstufe zwischen A und P mit A als bester Größe
  • Der Erfüllungswahrscheinlichkeit zwischen 0 und 100 Prozent.

Verbraucher haben jedoch die Möglichkeit, gegen die Weitergabe ihrer bei der Schufa gespeicherten zu widersprechen.

Die Geschichte der Schufa

Die Wurzeln der Schufa reichen zurück auf die Berliner städtische Elektrizitäts-Aktiengesellschaft (BEWAG), die neben Strom auch elektrische Haushaltsgeräte auf Ratenbasis verkaufte. Die Raten für die Geräte wurden mit der Stromrechnung beglichen. Beliefert wurden nur Kunden, die ihre Rechnung auch regelmäßig bezahlten. Die so gemachten Erfahrungen mit der Zahlungsmoral führten zur Gründung der Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierung in Berlin im Jahr 1927. Es folgten noch 13 weitere regionale Gemeinschaften. Im Jahr 1952 gründeten die regionalen Schutzgemeinschaften eine bundeseinheitliche Bundes-Schufa e.V., die wiederum im Jahr 2002 in die Schufa Holding AG umfirmierte. Während das Unternehmen mit den Daten Dritter recht gutes Geld verdient, geht es mit der Preisgabe eigener Daten eher sparsam um. Die Besitzverhältnisse gemäß Geschäftsbericht 2008 gliedern sich wie folgt (Quelle: Schufa):

  • 34,7 % Kreditbanken
  • 26,4 % Sparkassen
  • 17,9 % Privatbanken
  • 7,9 % Genossenschaftsbanken
  • 13,1 % Handel und Andere

Beteiligungen unterhält die Schufa an den folgenden Unternehmen:

insiders GmbH (Softwarehaus in Mainz, u. a. technische Anbindungen an Schufa) 100,0 % Invest Solutions GmbH 33,5 % KSV Kreditschutz-Vereinigung (operatives Geschäft zum 31. Dezember 2002 eingestellt – davor 90 % Beteiligung) Systemhaus für Finanzdienstleister InformationLinks GmbH 48 % tolina Holding GmbH 25,1 % Das System „Schufa“ legitimiert sich selbst mit der Aussage, dass es Verbraucher vor Überschuldung schützt. Tatsache ist jedoch, dass kein Konto mehr ohne die Unterschrift unter die Schufa-Klausel eröffnet werden kann. Verbraucherschützer sehen hier eine Entmündigung der Verbraucher.